IST DAS DIE BESTE 3-TAGES-TOUR DER WELT?

IST DAS DIE BESTE 3-TAGES-TOUR DER WELT?

Schweiz. 3 Tage. 4 Porsches. 14 Pässe.

Sommer 2026.

Nachdem mich alle bisherigen Porsche Trips dieses Jahres ins schöne Österreich geführt hatten – schließlich musste noch viel erkundet und fotografiert werden, um mein neues Buch DRIVING THE ALPS – AUSTRIA abzuschließen – war nun also auch endlich mal wieder die Schweiz dran. Inklusive dem Besten vom Besten, was das Pässefahren zu bieten hat!

Wenn vier Freunde auf Tour gehen, die alle aus verschiedenen Richtungen kommen, braucht’s erstmal einen geeigneten Treffpunkt. Gar nicht so einfach, denn an diesem leicht regnerischen Sonntagvormittag sind auf dem Weg nach Linthal im verschlafenen Schweizer Kanton Glarus alle Bürgersteige hochgeklappt. In Hätzingen, nur noch sechs Kilometer vor Beginn des Klausenpasses, scheint aber das „Restaurant Central“ in dem auffällig roten Haus tatsächlich geöffnet, und spontan halte ich an. Tatsächlich trudeln innerhalb von zehn Minuten alle ein. Da wäre Martin mit dem neuen 992.2, mit dem zusammen ich dieses Jahr auch schon in Österreich unterwegs war. Tom, Halbengländer mit dem silbernen Boxster, mit dem zusammen ich über die Jahre einen großen Teil der Alpenpässe bereist habe. Und Michael, der in seinem schicken GTS Targa extra den ganzen Weg aus Frankreich angereist ist. Der Kaffee im kleinen Stübli des Central ist wirklich gut. Doch der Regen ist nicht weniger worden. Trotzdem brechen wir auf. Zumindest für den späteren Nachmittag ist besseres Wetter vorhergesagt.

Gleich sind wir am Beginn des Klausenpasses, der alten Bergrenn-Legende aus frühautomobilen Zeiten. Und gerade die 21 Kilometer von Linthal zur Passhöhe – damals die Rennstrecke – gehören zum fahrerisch Besten, was die Welt zu bieten hat. Einer meiner absoluten Favorites. Leider ist’s ein bisschen nass, aber die neuen Pirellis greifen gut, außer in der allerersten, seifig-nassen Kopfsteinpflasterkehre. Wir surfen zügig durch die unzähligen Kurven. Es ist kaum Verkehr, bis auf einige Motorräder – „Töffs“ nennt man sie hier, wie mir mein Freund Bruno aus Luzern mal erklärt hat. In dem Siffwetter sind sie nicht zu beneiden, aber sie lassen uns kollegial vorbeiziehen.


Als wir die Westrampe des Klausen hinunter fahren, zum Teil dicht am Abgrund entlang, reißen die Wolken etwas auf und die ersten Sonnenstrahlen dringen durch. Rund um das Nadelöhr bei der Einfahrt zum Gotthardtunnel kommen wir um einen Kilometer Stau nicht herum, biegen aber gleich wieder auf die Gotthardstraße ab. Die spektakuläre Rampe die Schöllenenschlucht hinauf ist leider meist stark befahren, aber nach wenigen Minuten haben wir schon Andermatt erreicht und machen erstmal einen Lunch-Stopp - wie immer, wenn wir hier sind beim „Monopol“, gleich neben dem Bergidyll Hotel, wo früher Sean Connery während der Goldfinger-Dreharbeiten gewohnt hat. Während wir unsere Pizza essen, fahren unzählige Sportwagen unter unserem Fenster vorbei, darunter das ein oder andere seltene GT-Modell, denn hier ist direkt auch der Abzweig zum Oberalppass. Bis die Teller leer sind, hat sich wie erhofft auch das Wetter zum Guten gewandt. Wir haben heute ja auch noch einiges vor!

Wir brechen direkt auf Richtung Furkapass, einige Kilometer westlich von Andermatt gelegen: heute fahren wir den berühmten Pass aus dem James Bond Klassiker „Goldfinger“ von 1964 von Ost nach West. Morgen nochmal in die andere Richtung. Wir halten kurz in den James Bond Serpentinen, denn auch wenn ich mittlerweile selbsternannter Chef-Experte für die Filmlocations hier bin (siehe auch Special auf Seite 162-164 in Mit dem Sportwagen in die Alpen) fällt mir doch jedes Mal, wenn ich hier bin, etwas Neues ein, das ich noch mal überprüfen möchte. Aber die Szenerie hier ist auch unvergleichlich spektakulär. Weiter geht’s über den Furka bis zu einem kurzen obligatorischen Stopp am Hotel Belvédère – dem vermutlich meistfotografierten Spot der Alpen; auch heute ist der Parkplatz wieder gerammelt voll.

Wenn wir nicht in MOUNTAIN PASSES - The Alps schon so viele Fotos vom Furka hätten, würde ich glatt noch mehr machen (mache ich aber trotzdem).

Wir wedeln die Kehren des Furka weiter hinunter, an Gletsch vorbei weiter bis ganz hinunter ins Rhônetal. Geradeaus sind die Grimsel-Serpentinen bereits im Blick.

Unten im Rhônetal geht's am Autoverlad in Obergoms vorbei. Wir passieren das Postkartendorf Obergesteln, und biegen schon bald links ab zum Nufenen. Obwohl der Nufenen mit 2.480 Metern der zweithöchste Pass der Schweiz ist, ist er etwas weniger bekannt, und wir haben ihn fast für uns allein – trotz Sonntagnachmittag im Hochsommer! Martin gibt die Pace vor und wir lassen es bergauf sehr zügig angehen. Es ist eine wahre Freude. Eine Wolke hat sich um die Passhöhe gelegt, aus der wir auf der südlichen Abfahrt aber gleich wieder in die Sonne abtauchen. 

Entspannt-schwungvoll geht es weiter bis nach Airolo am Südende des Gotthards, und zum Tagesabschluss gönnen wir uns den Gotthardpass über die Tremola, die spektakulärste Kopfsteinpflasterstraße der Welt, zurück nach Andermatt. Als wir in der 8-Kehren-Kombination kurz vor dem Gipfel in der Tremola halten, um noch ein paar Drohnenaufnahmen zu machen, stoppen zwei junge Rennradfahrer neben uns: Kim und Lim sind den weiten Weg von Thailand hergekommen, nur um die Tremola mit dem Fahrrad zu bezwingen. Erstaunlich!

Zurück in Andermatt checken wir ins Radisson ein. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen – wie jedes Mal, wenn ich in Andermatt bin – zum Dinner endlich mal das Gourmetrestaurant im berühmten The Chedi auszuprobieren. Aber – wie jedes Mal – sind wir doch alle nach dem Tag ziemlich platt, und das Rindertartar im Radisson ist ja auch was Feines!

Am nächsten Morgen haben wir eine große Tour vor uns. 281 Kilometer, den Großteil davon Passstraßen. Wir kommen nicht ganz so früh los wie erhofft, da wir beim Frühstück und Auschecken doch etwas mehr Zeit vertrödeln als nötig, wie so oft. Aber immer noch früh genug. 

Nach einem kurzen Fotostopp an der Teufelsbrücke, kaum eine Minute vom Radisson entfernt, geht es erstmal auf die vielleicht epischste Passrunde der gesamten Alpen: Susten-Grimsel-Furka (siehe viele Details dazu im Kapitel 7 von Mit dem Sportwagen in die Alpen). Nach einem Tankstopp bei der hier in der Gegend führenden Tankstellenkette "Rudi Rüssel" (heißt tatsächlich so) geht es gleich zu Beginn den fantastischen Sustenpass hinauf. Der Susten ist nicht zuletzt als Lieblingspass des bekannten englischen Sportwagen-YouTubers „Cars with Luke“ mit seiner halben Million Subscribers mittlerweile zu einem der international bekanntesten Alpenpässe geworden. Trotzdem treffen wir hier an diesem Montagmorgen auf wenig Verkehr. Die Sonne lässt sich jetzt langsam blicken. Seit langer Zeit fahre ich den Susten mal wieder in westliche Richtung – irgendwie hat es sich bei den letzten Touren hier immer andersherum ergeben. Anders, aber genauso fantastisch wie die Gegenrichtung! 

In Innertkirchen biegen wir direkt in den Grimselpass ein. Auf dem Weg hinauf treffen wir auf einen Lamborghini mit Zürcher Kennzeichen, der zwar immer wieder laut den Motor aufheulen lässt, aber trotzdem erstaunlich langsam unterwegs ist. Ich zögere einen Moment, ihn zu überholen, aber Lamborghini hin oder her, so wollen wir nicht den ganzen Grimsel hinaufkriechen, also ziehen wir schließlich alle vorbei. 

Nach einem Fotostopp auf der Staumauer beim Grimsel-Hospiz und einem Espresso am See an der Passhöhe geht es die Kehren nach Gletsch hinunter, den Furka gegenüber schon wieder im Blick. Wir brausen den Furka jetzt am Stück durch, die ganze Strecke von Gletsch bis Andermatt, halten nicht einmal am Belvédère. Aber dann doch nicht ganz: in den James Bond Serpentinen oberhalb von Realp entscheide ich mich doch noch, spontan einen Stopp einzulegen und ein paar Drohnenaufnahmen zu machen - etwas zum Leidwesen von Tom.

Aber es geht ja auch gleich weiter – zurück nach Andermatt und gleich den Oberalppass hinauf, mit seinem Leuchtturm am Abzweig zur Rheinquelle, und weiter über den Lukmanierpass nach Süden, Richtung Tessin.

Der Lukmanier ist etwas arm an Highlights, aber zum Glück hat Martin die Idee, noch einen Abstecher zum Lago di Luzzone einzubauen, mit seiner befahrbaren Staumauer (sowohl obendrauf als auch innendrin). So kommt doch noch Spektakel in diesen Abschnitt der Tour.

Weiter geht’s dem Brenno-Tal (Valle di Blenio) folgend nach Süden, und nach einem kurzen Stück Autobahn sind wir bei unserem Etappenziel am Lago Maggiore angekommen. Nicht ohne noch einen Abstecher zur Diga della Verzasca einzulegen – mit 220 Metern Höhe die höchste Staumauer der Alpen. Schon James Bond war hier in Goldeneye geklettert. Und wer mag, kann sich hier per Bungee-Sprung hinunterstürzen.

Eine Viertelstunde später erreichen wir unser „Hotel Ascona“, auf einer Anhöhe über der Altstadt von Ascona gelegen. Es hat die besten Zeiten hinter sich, aber einen großen Garten mit schönem Blick über Ort und See, und bei den 35 Grad, die es hier am frühen Abend immer noch hat, springen wir erstmal in den Pool. Zur Seepromenade sind es nur wenige Minuten zu Fuß den Berg hinunter. Zum Glück haben wir noch die Guide-Michelin-App gecheckt und sind ins Riva Restaurant gegangen. Um gute Restaurants zu finden ist GM doch immer noch verlässlicher als Google & Co. Der Branzino in Salzkruste im Riva ist ausgezeichnet, und der Sassi Grossi Bianco aus dem Tessin passt perfekt dazu.

Auch für unseren letzten Tag haben wir uns noch diverse Highlights vorgenommen. Heute sind richtige Kehrenwunder dran. Nach einer halben Stunde Autobahn sind wir bei strahlendem Sonnenschein am wunderbaren San Bernardino mit seiner grandiosen Landschaft und unglaublichen 70 Spitzkehren angekommen. Am besten nimmt man gleich die Autobahnabfahrt 36 Mesocco-Süd, sonst verpasst man die ersten davon. 

Nach einem Stopp am tiefblauen See an der Passhöhe geht es wieder bergab, und der San Bernardino wirft uns auf den letzten fünf Minuten nochmal durch irrsinnige 16 Spitzkehren, bevor wir unten wieder die Autobahn erreichen.

Dort bleiben wir aber nicht lange, sondern biegen gleich wieder nach Süden auf den Splügenpass ab. Der Grenzpass nach Italien übertrifft den San Bernardino sogar noch um eine Kehre: 71 sind es hier! Auf der italienischen Abfahrt geht es in den in den Fels geschlagenen „10 tornati“, oberhalb von Campodolcino, diesmal richtig eng zu, und wir müssen zentimeterweise rangieren, um an dem entgegenkommenden Wohnmobil vorbei zu kommen.

Über den Malojapass mit seiner ikonischen Kehrenrampe geht es schließlich bis nach Silvaplana, schon kurz vor dem noblen St. Moritz. Im „Mulets Restorant“ gönnen wir uns eine gute Pizza und ein (alkoholfreies) Bier und schauen von der windigen Terrasse aus den unzähligen Kitesurfern auf dem Karibik-türkisenen See zu. Wie die es schaffen, sich trotz der Dichte nicht ineinander zu verheddern, konnten wir nicht herausfinden...

Zum Abschluss der Tour machen wir uns über die weiten Schwünge des Julierpasses Richtung Heimreise auf. Zu spät sehe ich das Soliser Viadukt, und schon sind wir daran vorbei. Für mich ein nostalgischer Ort, wo ich damals auf meiner letzten Reise mit meinem Vater gestoppt hatte. Aber umdrehen macht jetzt auch keinen Sinn – so hat man eben einen Grund mehr, wieder hierher zu kommen! 

Wir verabschieden uns von Michael, der ab hier einen anderen Weg einschlägt zurück nach Frankreich, während Martin, Tom und ich uns auf den Weg zur A13 machen, Richtung München. Was für eine Tour!       

© 2026 Stefan Hänisch / SH Media Group, Munich. Text & photography: Stefan Hänisch. All rights reserved.

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